Verfasst von: neomagic | 04/12/2009

Bangkok

Heute sind wir ein bisschen durch Bangkok geschlendert. Zum Einstieg noch mal ein Stück echtes Thailand:

Chinesischer Tempel: auch die Chinesen haben Bangkok entscheidend mitgeprägt; sie leben schon seit Stadtgründung hier und haben die Kultur bereichert und sich nicht zuletzt durch Eheschließungen mit Thais integriert.

Dann sind wir dahin gekommen, was viele für Thailand halten: Khao San Road. Diese Straße ist seit den Anfängen der Rucksacktourismus in Südostasien der Inbegriff für diese Art von Urlaub. Sozusagen ein Initiationsritus, den jeder Backpacker am Anfang seiner Reise durchlaufen muss. Berühmt geworden ist die Straße spätestens durch das Buch The Beach. In der Verfilmung steigt Leonardo DiCaprio hier in einer dunklen Ecke ab und säuft Schlangenblut.

Backpacker gibt es hier nach wie vor reichlich. Dennoch hat sich die Straße sehr gewandelt und ist heute nicht mehr schmuddelig und exotisch sondern bietet alle Annehmlichkeiten inklusive westlichen Essens, klischeehafter Souvenirs und sonstigen billigen Plunders, der das Touristenherz erfreut.

Man hat zwar irgendwie das Gefühl, in Thailand zu sein, aber es ist eine merkwürdige Parallelwelt, in der die Ausländer in der Überzahl sind und ihre Bedürfnisse im Mittelpunkt stehen.

Das reichte uns nach kurzer Zeit. Wir sind in der Mitte Bangkoks auf einen erhöhten Tempel gestiegen, um einen Blick auf die Stadt zu werfen.

Bangkok ist oberflächlich betrachtet nicht schön und für viele Touristen in Südostasien nur ein Drehkreuz
 

Wenn man sich Zeit nimmt, gibt es aber überall etwas Interessantes zu entdecken.
Im Tempelinneren:

Wieder draußen unterwegs:
Hier wird die Asche Verstorbener aufbewahrt

Angebliche Mönche hämmern Töpfe und verkaufen sie an Touristen

In dieser Straße wird Tempelzubehör verkauft. Wohlhabende Familien verbessern ihre Karmabilanz, indem sie Statuen an Tempel stiften

Auch in Übergrößen erhältlich 😉

Das ist das Rathaus der Stadt, deren eigentlicher Name nicht Bangkok ist, sondern das, was auf dem Schild steht. Unglaublich aber wahr: der längste Hauptstadtname überhaupt

Gemüseeinkäufe im Tuk-Tuk

 

Merkwürdigerweise von Touristen weitgehend unentdeckt: ein prächtiger Tempel mitten in der Stadt

Die Dächer sind vorn und hinten immer mit spiegelnden Plättchen besetzt, so dass es im Vorbeigehen schön funkelt (wie heißt dieser Teil des Daches eigentlich?)

Da hat aber jemand fleißig gespendet 🙂

Der Hintereingang

 

Solche Lotustöpfe sieht man in Thailand häufig als Deko. Oft schwimmen darin Guppies und andere Fische, die bei uns als Aquarienbesatz Verwendung finden.

Das Tempelinnere war komplett mit Wandbemalungen versehen.

Zurück im Shoppingviertel: Thailand ist ein echtes Schwellenland, nicht mehr Entwicklungsland, noch nicht voll entwickelt. Es gibt sehr armselige Behausungen aus Brettern oder sogar komplett aus Asbestplatten, sandige Schalglochpisten und schmuddelige Bruchbuden, die als Tante-Emma-Laden fungieren und andererseits feine Häuser, ein gut ausgebautes Schnellstraßensystem und glitzernde Einkaufsmöglichkeiten auf höchstem Nieveau.

Abends trafen wir einen Freund von Sujed, der in Kanada Meeresbiologie studiert hat und jetzt in Südostasien im Bereich Katastrophenprävention für Küstengebiete arbeitet. Er ist indischer Abstammung und hat uns unter anderem von seinem Riesen-Tattoo auf dem Rücken erzählt. Es ist ein sogenanntes magisches Yantra-Tattoo und eine Besonderheit in Thailand und Kambodscha. Es wird von einem Mönch mit einem vorsintflutlichen Gerät gestochen und tut höllisch weh. Man darf aber nicht jammern oder mit der Wimper zucken, sonst beendet der Mönch die Session und man kann als Versager mit halbfertigem Tattoo nach Hause gehen. Darüber hinaus muss man mehrere Sessions machen; das Tattoo wird immer komplexer, man kriegt aber nicht gesagt, wann es vollendet sein wird. Das Tolle daran: wenn man fertig ist, ist man unverwundbar. Mann kann nicht mehr durch Verletzungen sterben. Deshalb ist es auch bei Gangstern und Soldaten sehr beliebt. Man muss allerdings bestimmte Regeln einhalten, z.B. spezifische Essverbote oder bestimmte Sachen nicht machen, beispielsweise nichts Böses gegen seine Eltern sagen. Ich habe schon nicht schlecht gestaunt, dass ein intelligenter hochgebildeter Mensch an sowas glaubt. Da ich eine ausgesprochene Aversion gegen Aberglauben jeglicher Art habe, musste ich mich ganz schön zusammenreißen, nicht weiter nachzuhaken. Er meinte allen ernstes, dass am Ende der Mönch mit einem Schwert zuschlüge und lediglich eine kleine, nicht blutende Wunde erzeugt würde und das dann der Wirksamkeitsbeweis sei.
Also jeder soll ja glauben, was er will aber das passt doch hinten und vorne nicht. Der verantwortliche Mönch testet die Wirkung selbst? Und wenn es Soldaten helfen würde, hätte man ja schnell eine unbesiegbare Armee zusammen. Ist natürlich praktisch, dass man noch Regeln einhalten muss. Dann kann man immer argumentieren, dass es an deren Verletzungen lag, wenn es doch mal nicht geklappt hat mit dem Schutz.

Beispielbild für ein Yantra-Tattoo


Wir waren zusammen in einem recht noblen chinesischen Restaurant. Da hat er mir die zweite absurde Geschichte auftischen wollen. Auf der Speisekarte gab es gebratene Fische, die als „live“ bezeichnet wurden und er meinte, die wären zwar bis zum Hals gebraten aber der Kopf würde beim Servieren noch nach Luft schnappen. Nun weiß ich um die Obsession der Chinesen was frische Lebensmittel angeht. In jedem besseren Restaurant kann man sich die Fische oder Hummer in Aquarien aussuchen. Aber diese Geschichte war nun wirklich lächerlich. Erstens, wer ist so pervers? Und zweitens, wie soll das gehen, dass der Fischkörper gar ist aber der Kopf noch lebt? Dummerweise bestätigte die Kellnerin auf Nachfrage diese Tatsache. Also ich habe das recherchiert und es stimmt leider. Wer zu Verallgemeinerungen und Verurteilungen neigt, sollte sich darüber im Klaren sein, dass das keine normalen Essgewohnheiten in Asien oder China sind aber es ist schon widerlich, was manche Leute anderen Lebewesen zu Genusssteigerung antun. Restaurants mit sowas auf der Speisekarte werde ich jedenfalls künftig meiden.

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