Verfasst von: neomagic | 08/12/2009

Catastrophe

Die letzte Woche verbringen wir nun bei den Eltern. Neben allen möglichen Kleinigkeiten im und am Haus, die repariert werden können, ist meine Hauptaufgabe erstaunlicherweise der Bau eines Käfigs für Katzen und das kam so:

Hier im Haus leben sieben Katzen. weit mehr als bei meinem letzten Besuch. Sie haben ein sehr angenehmes Leben. Eine von ihnen war ohne Anus geboren worden und hat am Bauch einen künstlichen Darmausgang. Sujeds Eltern und die Haushaltshilfe kümmern sich rührend um sie; ihre Windeln müssen nämlich mehrmals täglich gewechselt werden.

So weit, so gut. Doch dann gibt es draußen am Haus noch zwei erbärmliche Katzenkäfige, wo 15 weitere Tiere getrennt nach Geschlecht untergebracht sind.

Vier Kater:

Die Haltung unterscheidet sich von den Katzen drinnen in etwa so wie die Lebensbedingungen der Arbeiter hier in Thailand verglichen mit Sujeds Familie.

Neun Katzen:

Zwei von den Katzen haben kahle Stellen im Fell. Keine Ahnung, ob das am Reis liegt, den sie zu essen bekommen und der nur mit einem minimalen Anteil von gegartem Fisch versetzt ist.

Die Käfige waren mir von Anfang an ein Dorn im Auge aber ich wollte nicht gleich Stunk anfangen und habe das Thema erstmal ignoriert und den Urlaub genossen.

Nun habe ich eine Freundin in Laatzen, die es zu einer ihrer Lebensaufgaben gemacht hat, sich um verstoßene und vernachlässigte Katzen zu kümmern, indem sie sie aufnimmt und versucht zu vermitteln. Die habe ich gefragt, warum die Katzen im Haus eigentlich auf alles pinkeln würden, was nicht hochkant steht. Sie mailte zurück, dass als Mindestvoraussetzung ja wohl alle (!) Tiere kastriert sein würden, weil die sonst ihr Revier markierten. Nee, waren die natürlich nicht, sonst wären es ja nicht so viele geworden aber das konnte meine Freundin ja nicht wissen. Also die Eltern finden Kastration unnatürlich und ich kann ihnen da nur beipflichten: Ich empfand es schon immer als grauenvoll, dass Menschen Tiere verstümmeln und sie ihrer Sexualität und teilweise auch Persönlichkeit berauben, um wohnraumkompatiblere Spielgefährten bzw. fügsamere Arbeitstiere oder auch schmackhafteres Fleisch zu haben. Diese Abscheu gegenüber Kastration ist sicher nicht zuletzt dadurch begründet, dass ich meinen eigenen Keimdrüsen einen relativ hohen Wert beimesse und die ungern abgeben möchte 😉

Nun war aber offensichtlich, dass es so nicht weiter gehen konnte.

Hochschwanger:

Vier (!) der Drinnen-Katzen sind schwanger, eine noch nicht, die wurde aber vor ein paar Tagen gerade vor unseren Augen von ihrem eigenen Sohn bestiegen. Die Familie rannte aufgeregt hinterher um sie zu trennen. Die Szene war nicht bar jeder Absurdität. Als würden die Katzen es nicht später wieder versuchen. Schließlich schrie das rollige Weibchen schon seit meiner Ankunft stundenlang das Haus zusammen (das machen rollige Katzen so, klingt schrecklich 😕 ). Die Eltern hatten auch vor allem deshalb ein Problem damit, weil dieselbe Mutter-Sohn-Affäre schon zu der vermutlich inzestuös bedingten Behinderung der Windelkatze geführt hatte. Also Kastrationsängste hin oder her, eine Katzenexplosion stand an und es war Zeit für einen kleinen Reality-Check. Sowohl für mich, als auch für die Familie. Vermutlich ist es aus Katzenperspektive ja doch eher eine chirurgische Prozedur, von der sie im besten Fall nur etwas postoperativen Wundschmerz merken und sich vielleicht über eine veränderte hormonelle Gesamtlage wundern.

Als erstes haben Sujed und ich versucht, die Eltern zu überzeugen, dass es so offensichtlich nicht weiterginge, weil über kurz oder lang alle neuen Katzen in den Käfigen landen würden. Da hieß es: Nein, die könne man doch verkaufen, pro Stück 10,- €. Aha, und warum sind so viele nicht verkaufte da? Na wenn die nicht so süß sind, will die keiner und erwachsene schon gleich gar nicht. Das warf die Frage auf, ob das Ganze ein Geschäft sein solle und ob es wirklich rentabel ist mit Futter, Tierarztkosten usw. (die Windelkatze musste fünfmal operiert werden). Also ganz offensichtlich war hier nicht viel Rationalität im Spiel. Es war eine Riesendiskussion, vor allem weil Sujeds Onkel in monatelanger Abwesenheit der Eltern einen Zuchtkater mitgebracht hatte, der die ganze Katzenwelle ins Rollen gebracht hatte. In der Zeit hat der Onkel auch die Kätzengefängnisse bauen lassen. Und der würde bestimmt sauer sein, wenn wir einfach alle Katzen sterilisieren lassen würden. Ich versuchte die Mutter zu überzeugen, dass ihr Bruder ein netter Kerl sei aber von Tierhaltung rein gar nichts verstünde und es sich außerdem sehr leicht mache, indem er Sujeds Eltern alles ausbaden ließe. Ich zeigte ihr auf der Kamera ein Video, dass ich von des Onkels Pommernspitz-Sammlung gemacht hatte (der Onkel wohnt 300 Meter weiter):

(Aufs Youtube-Logoklicken und HQ anwählen für volle Auflösung)

Als Sujeds Mutter das sah, war ihr Kommentar, die Hunde wären doch soo süß!!! Ich hätte ausflippen können. Anscheinend sehen viele Menschen in Asien Tiere wirklich als putziges Spielzeug und nicht als Lebewesen mit Bedürfnissen an. Ich meine, die Hunde sehen doch total durchgeknallt aus, oder?! Und wie kann man nur die Tiere wahrnehmen und nicht die Bedingungen unter denen sie leben? „In Deutschland gibt es Leute, denen bei dem Anblick die Tränen kommen würden!“ dramatisierte ich die Lage.

Na letzten Endes durften wir doch die ersten drei Tiere zum Tierarzt bringen. Das kostet zwar auch nur 24,- € pro Katze und 12,- € pro Kater aber da die Eltern finanziell klamm sind, mussten wir das selbst bezahlen. Dazu kommt als nächste Maßnahme die Volumenverdoppelung des großen Käfigs und eine katzentauglichere Einrichtung mit gepolsterten Pappkartons als Schlafplätzen, vernünftigen Fressnäpfen und Trinkgelegenheiten, sowie ein paar Kletteroptionen und vielleicht ein bisschen Spielzeug. An Katzentoiletten ist nicht zu denken, weil unter dem Käfig der Fluss ist und es zu bequem und kostengünstig ist, die Toilettenecke einfach morgens mit dem Gartenschlauch zu säubern.

Unser Plan ist jetzt vor Abflug zumindest die vier Draußen-Kater zu kastrieren, damit die in den dann geräumigeren Käfig kommen. Die Weibchen laufen allerdings laut Katzenexpertin durch ständige Rolligkeit Gefahr, eine Eierstockentzündung zu bekommen und können auch nicht auf Dauer ignoriert werden. Sujed ist der Meinung, wenn wir das nicht für die restlichen Katzen finanzieren, wird das wohl unterbleiben. Das ist natürlich Scheiße, zumal noch auf absehbare Zeit einige Katzen mehr dazu kommen werden. Also da ich weiß, dass unter euch der eine oder andere Tierfreund ist, bitte ich mal höflich um eine Spende, die ihr per Paypal  schicken könnt.

P.S. Der Onkel war übrigens nicht sauer und meinte, ich könne seine Katzenzuchtunternehmung haben.
P.P.S. Heute Nacht sind drei Junge zur Welt gekommen:

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Responses

  1. Als Papa von zwei Katzen und aktivem Tierschützer hatte ich tatsächlich Tränen in den Augen. Ganz ganz traurige Geschichte! Finanzielle Unterstützung kommt von mir nächste Woche wenn Du wieder im Büro bist. Ich weiss nicht wie das mit Paypal funktioniert…Schön das Ihr Euch so engagiert!!!

  2. Hallo Jungens, die 4 Käfig-Kater können schon mal
    verarztet werden. Das Geld hat eine Leserin und gute Freundin gespendet!!!!
    Vielen, vielen Dank sage ich schon mal in eurem Namen.


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